So Oder So
label: tonträger
production: flip
guest: sektion kuchikäschtli, blumentopf, kayo, others.
year of release: 2004
website: texta.at
 
tracklisting
1. Intro
2. Nur die Liebe zählt
3. FSK feat. Louie Austen
4. Hediwari
5. Geben und Nehmen
6. So oder So
7. Koida Kaffee
8. Es bahnt sich an
9. Nachricht von Dan
10. Highlife
11. Willkommen im Club
12. Daha Daha
13. Vermisst
14. What a Fool Am I feat. OnellMany
15. Alt feat. Blumentopf
16. Österreich
17. Fernweh feat. Sektion Kuchikäschtli
18. Koida Kaffee Remix feat. Markee, Bauxl, GC, Kayo
Da sind wir uns wohl alle einig: wer Austria-Rap sagt, sagt Texta. Texta steht für Selbstironie, Gesellschaftskritik und für die Tatsache, dass Rap auch in den Voralpen wunderbar gedeiht. Überdies dafür, dass man hier - im Gegensatz zum transatlantischen grossen Bruder - gelegentlich auch mal an ein Scheitern denkt:
"Komm zu uns, wenn du weisst, du versäumst den Geist der Zeit/ komm zu uns wenn du meinst, du wirst niemals Nummer eins/ .../ Du hast den Anschluss verloren - Willkommen im Club!/ du bist ausser der Norm - Willkommen im Club!/ du tust Fingernägel kauen und Nasen bohren, man nennt dich Arsch mit Ohren- Willkommen im Club!/ du siehst scheisse aus - Willkommen im Club!/ und dein Style ist out - Willkommen im Club!/ du glaubst du bist extrem und fickst das System wenn du Zeitung klaust- Willkommen im Club."
"Willkommen im Club". Das ist Texta 2004. Aber alles schön der Reihe nach.
"Nur die Liebe zählt" klingt nach Texta wie wir sie kennen: der Beat rockt, soulful; ein bisschen Road- movie, ein bisschen Familiengefühl. Weil ja eben nur die Liebe zählt. Danke, Applaus. "Hediwari" (Hätt ich doch, wär ich doch...) passt da schon nicht mehr so ganz ins Bild: der Orient vermischt sich hier mit der Karibik und dazu wird gesungen... Auf "Koida Kaffee" beweisen die Jungs, dass sie soo alt doch noch nicht sind. Die Bude rockt, die Wände zittern. Kurz darauf "Es bahnt sich an" mit Samy Deluxe in the Cut; ein Endzeitdrama über die nahende Apokalypse. Man könnte auch sagen, eine Ode an den Ragga im Rap. Aber weiter. DJ Dan's finest auf "Nachricht von Dan", postmoderne Kritik auf "Highlife" ("Wir leben nicht euer keimfreies Leben, euer Highlife- Stress in der Freizeitleben, eure, Designer-Läden, euer Einheitswesen, euer Primetime-, überall dabei sein Leben") und das eigentliche Herzstück dieser Platte, das ultraschnelle "Willkommen im Club".
Etwas relaxter "Daha Daha", die ménage à trois mit dem Massagestab. Das klingt dann etwa so:
"ich find es so scharf wenn du in Rage bist/ bitte beweg noch einmal deinen Arsch für mich/ der ist so süss wie Bananensplitt/ dein Dackelblick macht mich wahnsinnig/ du bist das Sahnestück/ ich bin so scharf auf dich..."
Auf "What a Fool Am I" (feat. OnellMany aus Kroatien) wird zünftig an den Soul-Saiten gezupft - von der Irreversibilität vergangener Fehltritte reimt sich's aber offensichtlich auf Kroatisch besser... Zum Ende hin zwei weitere fruchtbare Kollabos ("Alt" mit Blumentopf und "Fernweh" mit Sektion Kuchikästli) und weiter fleissig der Nachdenklichkeit gehuldigt und Gedankengefässe gefüllt. So.
Man könnte vielleicht anmerken, die Verspieltheit, die schwerelose Jugendlichkeit sei etwas verloren gegangen. Auf der anderen Seite wird weiterhin ohne viel Aufhebens lyrische Feinkost serviert und mögen die Linzer auch "Alt" geworden sein, den Zeitgeist haben sie dennoch ganz gut im Griff. So sind öfters die (neuerdings so beliebten) gepitchten Soul Samples zu hören, auch ein Dancehall-Riddim da und dort. Alles in allem klingt der Sound etwas aggressiver und verglichen mit der Relaxtheit früherer Produktionen wird die Brust oft bedrohlich weit vorgereckt. Neu sind überdies die dominanten Bässe und schnelle Rhymes über gebremste Beats.
Das Album ist in diesem Sinne sehr vielfältig ausgefallen; es wird Wert auf Weiterentwicklung gelegt, das ist wohl nicht zu überhören. (Stillstand bedeutet Untergang oder so.) Wohin die Reise gehen soll, scheint jedoch noch nicht so ganz festzustehen. Ist wohl auch nicht weiter wichtig. Verkrampftes Bemühen wird lässig umgangen.
Ein letztes kann ich mir trotzdem nicht verkneifen - auch wenn es hier vielleicht nicht so viel zur Sache tut: Wir haben den alten Texta Sound auch gemocht. So oder so.
review: denise
 
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